Wüstes Ende überschattet torloses Unentschieden gegen Shqiponja

Herzogenbuchsee verpasst es beim 0:0 gegen Shqiponja, die spielerischen Vorteile in Tore umzumünzen. Die Gäste beendeten die Partie zu acht, deren Anhänger mit einem Ansturm auf den Kabinentrakt.

Im zweiten Meisterschaftsspiel kam Tom Reinmann nach kurzer Verletzungspause zum Saisondebüt, auch Yanick Durrer kehrte auf den Platz und in die Innenverteidigung zurück. Drei Spielminuten waren erst verstrichen, als der ehemalige Buchser Etienne Büschi mit Übereifer in den Zweikampf stieg und folgerichtig verwarnt wurde. Die Affiche war damit lanciert. Noch in der Anfangsphase war Buchsi zum ersten Wechsel gezwungen, als Alvaro Mendoza angeschlagen vom Platz musste. Jetmir Morina ersetzte den Peruaner im Zentrum. Tom Steiner in Bedrängnis und Lukas Wyss freistehend vergaben die besten Möglichkeiten der Anfangsphase. Der FCH war dem Gegner insbesondere physisch oft etwas voraus und konnte so viele Zweikämpfe gewinnen. Kristian Foster zeigte zwei Defensivtacklings der Extraklasse.

Wie in den Heimspielen gegen Sumiswald und Oberburg verzeichnete Buchsi ein deutliches Übergewicht an Ballbesitz. Shqiponja verzichtete in den ersten 45 Minuten beinahe vollständig auf ein Pressing, und zwar nicht nur in der gegnerischen Platzhälfte, sondern bis nahe an das eigene Gehäuse. Mitunter konnte das Heimteam den Ball bis auf 30 Meter an das Tor herantragen, ohne ernsthaft angegriffen zu werden. Davon vielleicht überrascht, gelang es Buchsi nicht, die Angriffe sauber zu vollenden. Exemplarisch dafür war ein unzureichender Querpass von Wyss in einer 2-gegen-1 Situation kurz vor dem Pausenpfiff, in der Morina einschussbereit gewesen wäre.

Von den befürchteten Kontersituationen mit den pfeilschnellen Gästestürmern war auch dem Seitenwechsel nichts zu sehen. Die Partie enttäuschte nun etwas, Tempo und Intensität liessen nach. Wyss riss die Anwesenden nach 77 Minuten aus der aufkommenden Lethargie, als er einen Schuss aus 18 Metern an den Pfosten jagte. Jetzt nahm das Spiel doch noch den von Beginn an erwarteten Schwung auf. Im Gegenzug kam Shqiponja zur grössten Torchance des Spiels, es war gleichzeitig die einzige der Gäste überhaupt. Feti Ajeti scheiterte gleich doppelt am stark reagierenden Qallakaj im Tor.

In der 88. Minute überschlugen sich die Ereignisse im bis dahin fairen Spiel auf bedauerliche Art. Nach einem Foulspiel wurde zunächst Büschi mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Bevor der fällige Freistoss ausgeführt werden konnte, sah auch Besnik Musliu wegen Ballwegschlagens die zweite gelbe Karte. Die zahlreiche Anhängerschaft der Albaner nahm an den vollkommen unstrittigen Entscheidungen des Schiedsrichters Anstoss und bedrohte diesen verbal heftig. In der Nachspielzeit flog mit Raip Sherifi der dritte Shqiponja-Akteur innerhalb von drei Minuten vom Platz, diesmal mit glatt Rot wegen Schiedsrichterbeleidigung. Sekunden später beendete der besonnene und bewundernswert unbeirrbare Schiedsrichter das Spiel. Festzuhalten bleibt, dass die drei Platzverweise gegen die Gäste zwar Stein des Anstosses der nun folgenden Eskalation waren, diese aber mehrheitlich von Anhängern der Gäste ausging.

So bot sich nach Abpfiff ein trauriges Bild, als der Schiedsrichter in einer Traube von Buchsi-Verantwortlichen vom Platz in die Kabine begleitet werden musste. Mehrere Zuschauer aus dem Umfeld der Gäste versuchten in der Folge, sich gewaltsam Zugang zum Kabinentrakt zu verschaffen. Der nachvollziehbarerweise verängstigte Schiedsrichter verliess den Sportplatz Waldäcker auf eigenen Wunsch unter Polizeischutz. Das ist eine Schande.

Dass sich erwachsene Menschen in ihrer Freizeit genötigt sehen, ihre unqualifizierten Entgleisungen auf einen Unparteiischen zu richten und diesen körperlich zu bedrohen, lässt einen nachdenklich zurück. Welch Anmassung es ist, einem Unparteiischen, der mit seinem Engagement dieses Amateurspiel erst ermöglichte, auf solch primitive und respektlose Weise zu begegnen. Einem Unparteiischen überdies, welcher mit seiner umsichtigen Spielleitung dem Leistungsniveau der Mannschaften weit überlegen war. Das inakzeptable Verhalten einiger löste auch bei vereinzelten Shqiponja-Vertretern beschämtes Kopfschütteln aus. Es bleibt die Hoffnung, dass diese Stimmen der Vernunft im Lager der Gäste in Zukunft an Gewicht gewinnen.

Was unter diesen Umständen zur Randnotiz verkam, war das sportliche Verdikt. Das torlose Unentschieden ist für den FCH unter dem Strich zu wenig, insbesondere in Anbetracht der passiven Spielweise der Gäste. Zu verbessern gilt es primär die Entscheidungsfindung in der Offensive. Weiter geht es nächste Woche auswärts gegen den Leader aus Utzenstorf, der mit drei Siegen in die Saison gestartet ist. Anpfiff ist am Samstag um 18:00 Uhr auf dem Sportplatz Weissenstein.

 

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