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Es ist zwar schon ein paar Tage her... Szenen des Spiels zwischen Lommiswil und Welschenrohr.

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Der Berner, der den Solothurner Fussball voranbringen will

Der Berner, der den Solothurner Fussball voranbringen will

Beim FC Attiswil ist Heinz Hohl gross geworden. Dem FC Attiswil ist er bis heute treu geblieben und er hat seinen Dorfklub mit innovativen Ideen weiter gebracht. Seit einem halben Jahr ist der Berner nun Präsident des Solothurner Fussballverbandes SOFV.

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Beim FC Attiswil ist Heinz Hohl gross geworden. Dem FC Attiswil ist er bis heute treu geblieben und er hat seinen Dorfklub mit innovativen Ideen weiter gebracht. Seit einem halben Jahr ist der Berner nun Präsident des Solothurner Fussballverbandes SOFV.

Fairplay war immer sein grosses Anliegen und Heinz Hohl ist einer, der über den Tellerrand hinausschaut. „Als wir in Attiswil einige problematische Junioren hatten, habe ich mir überlegt, wie man diese Jungs den Fairplaygedanken ganz unmittelbar erleben lassen könnte, denn nur gutes Zureden brachte nicht viel", erinnert sich Hohl an die Anfänge seines Spielsystems BeTolerant. Die Idee war bestechend einfach: Der Match wird durch die Junioren selber geleitet. Sie stellen die Schiedsrichter, die jeweils während etwa einer Viertelstunde pfeifen. „So spüren sie, wie schwierig die Aufgabe des Schiedsrichters ist. Sie lernen, die Person des Schiedsrichters zu respektieren." Auch der Solothurner Fussballverband wurde auf das Spielsystem aufmerksam und es wurde sogar gelegentlich bei offiziellen Meisterschaftsspielen angewandt.

BeTolerant zeigte durchschlagenden Erfolg: Attiswil gewann in der Zwischenzeit zweimal den schweizweiten Fairplaywettbewerb. Hansruedi Hasler berief Heinz Hohl daraufhin in die Fairplaykommission des Schweizer Fussballverbandes. „Als Quereinsteiger war das für mich eine sehr interessante Zeit."

Den Modus weiterentwickeln
Auch zum Solothurner Fussballverband ist er als Quereinsteiger zum Präsidenten gewählt worden, ohne vorher im Vorstand ein anderes Amt ausgefüllt zu haben. „Die Aufgabe ist sehr interessant. Sport, Fairplay, die vielen sozialen Themen und die gesellschaftliche Entwicklung liegen mir am Herzen."

Heinz Hohl bezeichnet die Dorfvereine als den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, ungeachtet ob es ein Turn- Musik- oder Fussballverein ist. „Ich finde es sehr schade, dass dieser Kitt bröckelt. Im Dorfverein gemeinsam etwas zu erleben, etwas zu erreichen, ist toll. Aber heute wollen sich viele Leute nicht mehr in einer Art verpflichten, wie es für den Mannschaftssport oder eine ordentliche Vereinstätigkeit nötig wäre. Sie wollen dann Sport treiben, wenn es ihnen gerade passt und nicht jeden Dienstag und Donnerstag pünktlich um 19 Uhr zum Training parat sein."

Früher habe es bei den Spielen der unteren Ligen viel mehr Zuschauer gehabt, findet Hohl. „Unsere regionalen Meisterschaften sind nicht mehr so attraktiv wie früher. Vielleicht liegt es am Modus? Vielleicht sollten wir etwas neues ausprobieren?" Dem SOFV-Präsidenten schwebt eine basisdemokratisch getragene Reform vor. „Ich möchte nicht vom Solothurner Verband aus bestimmen, was wir ändern. Ich möchte, dass die Vereine über ihre Präsidenten Wünsche anbringen."

Gerade bei den älteren Junioren habe die Mentalität geändert. Die persönliche Freiheit sei vielen Jungen wichtiger als das Vereinsleben. „Viele wollen das Wochenende für sich haben. Vielleicht wären mehr Wochentagsspiele ein Weg, die älteren Junioren besser zu motivieren?"

Dorfvereine als Vorbilder
Nicht erst seit BeTolerant gehört der FC Attiswil zu den innovativen Vereinen der Region. Der kleine Dorfverein gehörte in der Region in Sachen Frauenfussball zu den Vorreitern. Dem Erfolg liegt ein einfaches Prinzip zugrunde, wir Heinz Hohl erklärt: „Wir haben immer in unsere Infrastruktur und unsere eigenen Juniorinnen und Junioren investiert und nicht in auswärtige Spieler. So spielte Attiswil zwar oft eine Liga tiefer, als wir das gerne hätten. Aber diese Einstellung hat sich trotzdem gelohnt. Wer unsere tolle Anlage sieht, der erkennt sofort, dass wir beim FC Attiswil gut wirtschaften."

Reformen an der Basis
Beim Schiedsrichterwesen hat Hohl Handlungsbedarf erkannt. „Der Verband legt das Schwergewicht auf die Rekrutierung. Ich denke, wir müssen Mittel und Wege finden, damit die Schiedsrichter auch länger dabei bleiben. Heute hören sehr viele nach zwei, drei Jahren schon wieder auf. Das ist sehr schade. Ich denke nicht, dass es ums Geld geht. Es geht eher um das Ansehen auf dem Fussballplatz und innerhalb der Vereine. Hier möchte ich ansetzen", sagt Heinz Hohl, und er betont, dass er für gute Vorschläge dankbar ist.

Dem neuen Präsidenten ist auch die Distanz zwischen der Basis und den Verbandsfunktionären aufgefallen. „Ich wurde durch die Vereine zum Präsidenten gewählt und nicht durch den Verband. Deshalb will ich mich auch in erster Linie für die Dorfvereine einsetzen. Ich möchte, dass wir vom Verband wieder näher an die Vereine rücken", erklärt er die Stossrichtung. „Der Verband soll ein Dienstleister der Dorfvereine sein und nicht nur Strafen aussprechen und Bussen einkassieren.

Bereits die letzte Präsidentenkonferenz im November wurde mittels der konstruktiven World-Café-Methode durchgeführt. Die Vereinspräsidenten konnten in vier verschiedenen Räumen mit den Kommissionsverantwortlichen des SOFV die vier Themenblöcke Schiedsrichterwesen, Wettspielkommission, Technische Kommission und Verwaltung diskutieren, die an der Basis von Bedeutung sind. Heinz Hohl sucht den Gedankenaustausch, der zum gegenseitigen Verständnis führt: „Das wichtigste ist es, dass wir immer wieder das Gespräch mit den Vereinen suchen, damit ein gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufgebaut werden kann."

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