Deitingen macht gegen Selzach das Dutzend voll

Mit einem noch selten erlebten Endresultat von 12:2 sichert sich der FC Deitingen gegen Selzach in der 3. Liga vorzeitig den Gruppensieg und kommt dadurch in den anstehenden Promotionsspielen in den Genuss von zwei Heimspielen. In einer für 85 Minuten eher einseitigen Partie präsentierte sich Deitingen für einmal vor dem gegnerischen Kasten in grösster Tormanier und konnte ein ganzes Duzend mal Jubeln.

4-22-5-2-7-5-10-6-2-10-8-1: Was sich anschaut wie eine Zahlenreihenfolge der legendären Quizsendungen auf Sport 1 – bei welchem die Moderatoren in ihrem Lebenslauf entweder ehemaliger «Big Brother»-Teilnehmer, Sieger bei der Challenge «tiefster IQ des Bundeslandes», «ich lache auch wenn ich beleidigt werde, da ich es gar nicht checke» oder «Brustoperation» vorweisen können müssen – ist in der Tat die Dauer in Minuten zwischen den zwölf Toren der Deitinger.
Nach einem schnellen Führungstreffer in der 4. Minute durch Jungspund G. Stampfli, welcher heute seinen Bruder Tim nach einer heftigen Lebensmittelvergiftung mit Spitalaufenthalt – welche er sicher nicht in Barcelona bei einer Paella aufgelesen hat – wieder auf dem Fussballplatz in der Start-Elf begrüssen durfte, war die Fahrtrichtung aufgezeigt. Nur wenige Minuten später hätte bereits Murer nach einer wunderbaren Kombination zum 2:0 erhöhen sollen, scheiterte jedoch an der Lattenoberkante. Dass sich das nur nicht rächen soll, dachten sich wohl die sonst nicht so verwöhnten Deitinger Kritiker. So dauerte es bis in die 26. Minute bis Flury die Hausherren mit einem zweiten Treffer beschenkten (26.).

Es war ein Tag, der den Deitinger und den Selzachern wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Dem bereits für die Aufstiegsspiele qualifizierten Deitinger Fanionteam gelang vieles, musste aber auch dementsprechend dafür arbeiten. Mit dem Wissen, dass die Fussballschuhe für den Rest der Woche ruhen werden, wurde ein enorm grosses Laufpensum abgespult und dem Gast keinen Raum zum Atmen gelassen. So kam es, dass durch Murer (31.), erneut Flury (33.), B. Frei mit einem Corner-Kopfball (40.) und auch erneut G. Stampfli die Tabellenverhältnisse auf dem Rasen mit einem 6:0 wiederspiegelten. Auf die einzelnen Tore einzugehen würde in etwa so den Rahmen sprengen, die die Dauer des Films Avatar dies tut. Zu erwähnen ist jedoch, dass der Mann der ersten Halbzeit keiner der vier genannten Torschützen, sondern das Kreativzentrum T. Stalder war, welcher einmal nicht mit seinen Fahrkünsten Angst und Schrecken, sondern mit vier Vorlagen Freude verbreitete – besonders bei Beni Frei.

Die Partie hatte unlängst die Spannung verloren, doch nicht die Attraktivität. Auch die Zuschauer, welche mit Fussball nicht übermässig viel anfangen können und der Tore wegen den Weg auf den Fussballplatz finden, wurden weiterhin gut unterhalten – wohl besser als die Live-Übertragung der anstehenden Royal-Wedding dies tun wird. So wurde das Skore in der 55. Minute durch Flury weiter erhöht, der erneut mit seinem Jubel für die in Schaaren angereisten Fotografen posierte – notabene ohne Erdogan. Auf Deitinger Seite war der Hunger noch nicht gestillt, auch dank dem eingewechselten Huser. Nachdem er bereits im Spiel gegen Gerlafingen reüssieren konnte, lief er im letzten Meisterschaftsheimspiel zur Hochform auf. Er konnte endlich zeigen, dass das Fussballtalent in seiner Familie nicht rein nur auf eine Person (sein Bruder Robin spielt beim FC Thun in der Super League) verteilt wurde und erzielte zwischen der 61. Und 73. Minute einen lupen-, ja schon fast mikroskopreinen Hattrick. Mit einem abschliessenden Doppelpack in 2 Minuten konnte Flury (81.) mit seinem vierten Tagestreffer und Tim seinem ersten Saisontor das Duzend voll machen.

Bis dahin gab es keinen Makel am Deitinger Auftritt, wobei Selzach keinen einzigen Torschuss verzeichnen konnte. Doch als die Matchuhr die 85. Minute anzeigte, spielte Kissling ausnahmsweise nicht am 6. Dezember den roten Mann mit dem grossen Sack (Schelm der da zweideutig denkt) und liess eine Flanke von Selzachs Flury fallen, wobei der fuchsige Allemann den Ehrentreffer erzielen konnte. Tja, Gefahr kam logischerweise nicht mehr auf, doch Selzach spürte, dass da noch mehr drin liegt. Beim anschliessenden Angriff wurde der einzige Selzacher Torschütze im Strafraum gefällt, wobei Boris Flury durch einen Penalty auch noch zu seinem persönlichen Ehrentreffer kam (12:2, 89. Minute). Deitingen beunruhigte auch das nicht und sah sich schon am Futternapf, so kam der FCS erneut zu einer Chance. Dieses Mal konnte jedoch Kissling den Schuss des heranstürmenden Angreifers via Fussabwehr stoppen, sodass er seine Abwehrquote von 0% auf immerhin 33,3% steigern konnte.

Fazit: Ob man 12:2 oder 1:0 gewinnt, für beide Resultate erhält man 3 Punkte (2€ ins Phrasenschwein). Dies ist man sich an der Grabmatt bewusst. Der Moral und dem Selbstbewusstsein tat dies jedoch gut.
«Das wird die geilste Woche, die du je erleben wirst», prophezeite der alte Haase B. Frei dem 00er-Jahrgang Eberhard nach dem Match. Deitingen ist motiviert und hat einen Lauf. Doch die Aufstiegsspiele beginnen bei Null und nur mit super Leistungen wird man auch nach diesen drei Spielen auf der Sonnenseite des Lebens stehen können.

FC Deitingen 12:2 (6:0) FC Selzach
Grabmatt Deitingen, 75 Zuschauer und die 3. Mannschaft am trainieren
FCD: Kissling; Eberhard, Zuber (46. Hadzic), Bieri, T. Stampfli; T. Stalder (57. Thomann), Roth, B. Frei (46. Huser) Murer; Flury, G. Stampfli (67. Steiner)

Tore:
1:0 Gabriel Stampfli (4.)
2:0 David Flury (26.)
3:0 Patrick Murer (31.)
4:0 David Flury (33.)
5:0 Benjamin Frei (40.)
6:0 Gabriel Stampfli (45.)
7:0 David Flury (55.)
8:0 Janis Huser (61.)
9:0 Janis Huser (63.)
10:0 Janis Huser (73.)
11:0 David Flury (81.)
12:0 Tim Stampfli (82.)
12:1 Nico Allemann (86.)
12:2 Boris Flury (89., Penalty)

Schweizer Cup