Diese Frauen sind winterfest

Wenn sich die Schildkröten im Herbst in die Erde eingraben und den Winterschlaf beginnen, dann putzen die meisten Fussballer ihre Nockenschuhe zum letzten Mal, um diese für die nächsten Monate im Heizungsraum zu versorgen. Nicht so die Frauen beim SC Derendingen: Sie ziehen sich warm an und gehen noch fleissiger ins Training. In der Nationalliga B beginnt jetzt erst die intensivste Zeit. Frauen, die Spitzenfussball betreiben wollen, müssen winterfest sein, die Meisterschaft geht bis in den Dezember weiter.

„Wegen den Länderspielen haben wir immer wieder längere Pausen“, erklärt Trainer Patrick Anderegg, warum die Winterpause erst Mitte Dezember beginnt und es in der Nationalliga B bereits im Februar wieder losgeht. So haben die SCD-Frauen erst sieben Runden ausgetragen und daraus fünf Punkte verbucht – was für sie ein wenig enttäuschend ist. Dass mehr möglich wäre, belegt die Tatsache, dass ihnen der bisher einzige Saisonsieg ausgerechnet gegen den sehr starken U21-Nachwuchs des FC Zürich gelungen ist. „Die Erwartungshaltung ist bei uns in den vielen erfolgreichen Jahren gewachsen, die NLB ist aber kein Selbstläufer, sie fordert uns alles ab, “, sagt Trainer Patrick Anderegg, der das Team seit dem Vergangenen Sommer betreut. Etwas mehr sei aber schon noch möglich: „Ich sehe uns am Ende der Saison um Rang vier“, meint der erfahrene Trainer, der viele seiner Spielerinnen schon aus seiner Zeit mit der Solothurner U19-Auswahl kennt. „Das Potenzial dazu ist vorhanden.“

Dieser Meinung ist auch SCD-Captain Rebeka Müller. Den schlechten Saisonstart erklärt sie sich damit, dass ihr Team in vielen Spielen zu lange brauchte, um in Schwung zu kommen und dann erfolglos einem Rückstand nachlief. „Spielerisch können mit den besten Teams der Nationalliga B mithalten. Deshalb sind wir mit einem Mittelfeldplatz nicht zufrieden, wir wollen im oberen Tabellenbereich sein.“

Rebeka Müller kommt aus Neuendorf und bis zu den Junioren C hat sie beim FC Härkingen gespielt. Dann ist sie über die Solothurner Auswahlen zum SC Derendingen gestossen. „Weil ich Nationalliga B spielen will, nehme ich einen grossen Aufwand auf mich“, sagt die 23-Jährige. „Die Freundschaft ist schön und weil wir ein so junges Team sind, darf ich viel Verantwortung übernehmen.“ Fussball mache ihr auch im Winter Spass: „Man muss sich gut anziehen und ab November ist es schon eine Umstellung, weil wir erst recht spät auf dem Kunstrasen im Solothurner Stadion trainieren dürfen. Aber der Spielplan ist, wie er ist.“

Der Aufwand sei gross, sagt der Trainer, „aber weil die Stimmung gut ist, nehme ich das gerne auf mich. Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse, ich kannte die meisten SCD-Spielerinnen schon aus meiner Zeit, als ich noch die Solothurner Auswahlen betreute.“ Was auffällt: Im Training trägt ein halbes Dutzend der SCD-Frauen nicht den blauen Trainer, sondern den schwarzen YB-Trainer. Die Zusammenarbeit mit dem Berner Partnerklub, laufe gut, bestätigt Anderegg. YB lehnt die eine oder andere routinierte Spielerin, die in der Nationalliga A nach einer Verletzung den Anschluss sucht, längerfristig an Derendingen aus und mehrere YB-Juniorinnen trainieren regelmässig in Derendingen.

Für die Vorbereitung auf die Rückrunde, die bereits Ende Februar beginnt, planen die SCD-Frauen  ein Trainingslager in Spanien. „Da wir in Derendingen keinen Kunstrasen haben, ist die Woche in Valencia für uns sehr wichtig“, erklärt Patrick Anderegg. Er hofft, dass das Crowdfunding unter dem Titel „Road to Valencia“ einen Teil der hohen Kosten von rund 1000 Franken pro Spielen decken wird. Bereits sind 2250 Franken gespendet worden. Das Ziel der SCD-Frauen sind 6000 Franken, wodurch sich der Betrag, den jede Teilnehmerin noch selber zahlen muss, auf 700 Franken reduzieren würde.

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