«Herzlich willkommen», steht im Burgdorfer Kleinstadion Neumatt über dem Kabineneingang in Grossbuchstaben geschrieben. Man kann es positiv sehen: Die Frauen des SC Derendingen dürfen hier zweimal in der Woche auf dem Kunstrasenplatz trainieren und fühlen sich tatsächlich willkommen.

Aber ideal ist die Situation nicht. Den Platz müssen sie sich mit dem Emmentaler Drittligisten Blau Weiss Oberburg teilen. «Dass es für uns recht weit ist, wäre nicht so schlimm», sagt Selin Wegmüller, «wir organisieren uns und wer ein Auto hat, füllt es mit den Spielerinnen, die in der Nähe wohnen. Mühsamer ist die Zeit. Wir kommen sehr spät ins Bett und viele müssen am Morgen schon wieder früh aufstehen. Es wäre besser, wenn wir um 19 statt um 20.30 Uhr trainieren dürften.»

Erstes Heimspiel nicht zu Hause

Auf der heimischen Heidenegg ist im Winter nicht ans Fussballspielen zu denken und auch das erste «Heimspiel» in der NLB gegen Therwil werden die Derendingerinnen in einer Woche in Burgdorf austragen müssen. «Natürlich würden wir viel lieber im Solothurner Stadion trainieren und spielen, aber dort ist der Kunstrasenplatz total ausgebucht», erklärt Trainer Urs Bühler, warum seine Frauen die zusätzlichen 25 Kilometer nach Burgdorf unter die Räder nehmen müssen.

Assistentin Andrea Vögeli ergänzt: «Wir hoffen, dass die geplanten Kunstrasenfelder im Sportzentrum Zuchwil und auf dem Mittleren Brühl in Solothurn bald eine Entspannung der Situation bringen werden. Bis es so weit ist, müssen wir das Beste aus der Situation machen.»

Regisseurin auf dem Platz

Mit dem Auswärtsspiel in Schlieren sind die SCD-Frauen am Samstag (18 Uhr) das erste Team der Region, das den Meisterschaftsbetrieb wieder aufnimmt. In der NLB erwartet man grosse Opferbereitschaft von den Frauen. Als Gegenleistung gibt es nur den Spass am Fussball. Und den lässt sich Selin Wegmüller nicht nehmen. Der Trainer sagt, die 20-jährige, hartnäckige Defensivspielerin habe sich zur Regisseurin entwickelt. «Ich rede recht viel auf dem Platz. Ob es den anderen hilft, weiss ich nicht, aber sie scheinen es zu akzeptieren.»

Eines ihrer Vorbilder sei die jetzige Assistenztrainerin Andrea «Vögi» Vögeli, die früher im Nationalteam eine ähnliche Rolle spielte. «Ich lerne viel von ihr. ‹Vögi› kann mir im Training immer noch vorzeigen, wie es geht.»

Vorne mithalten und Gegner ärgern

Das Fussball-Abc hat sie beim FC Selzach gelernt. Nach drei Jahren in der Nachwuchsförderung beim FC Basel wechselte sie zurück in die Region zum SCD. «Nach dem Abstieg aus der NLA traten einige der routinierten Derendingerinnen zurück und das Team wurde neu formiert. Wir waren eine kleine Gruppe, die zusammen den Wechsel wagte.»

Das sei eine gute Entscheidung gewesen, sagt Selin Wegmüller. Eine Rückkehr zum Spitzenklub Basel zieht sie derzeit nicht in Betracht. «Wir wollen in der NLB vorne mithalten und die Gegner ärgern. Wenn dieses Team zusammenbleibt, ist noch eine grosse Steigerung möglich. Vielleicht können wir in ein paar Jahren sogar wieder in die Nationalliga A aufsteigen.»