Punkteteilung im Spitzenspiel der Gruppe 2

Die Protagonisten der Gruppe 2, Deitingen und Welschenrohr, hielten sich im Spitzenkampf voll und ganz an das „we love to entertain you“ Protokoll, kämpften über 90 Minuten und beglückten die Zuschauer mit 6 Toren und Emotionen. Deitingen musste trotz einer 2:0 Führung das Zepter aus der Hand geben, geriet in Rückstand und glich in der 90. Minute mit dem Tor der Runde wieder aus.

Alles war für dieses Spiel angerichtet. Ein Sonntagsspiel um 11 Uhr lockte dann auch 180 Zuschauer auf die Grabmatt, welche sich wohl sehr nervten, wenn sie zu spät erschienen sind. Deitingen änderte seine taktische Haltung im Vergleich zu anderen Spielen und liess den Gast beim Spielaufbau in ihrem Drittel tun.  Durch dies war die Ballbesitzstatistik relativ ungerecht verteilt. Doch trotz dieser optischen Ungleichheit zeige Deitingen ihre grosse Klasse und ihre ungewohnte Kaltblütigkeit. Bereits in der 7. Minute ging dem FCW Captain Eggenschwiler der Ball im Mittelfeld verloren, wodurch der blitzschnelle Flury den Flügel ablief und in der Mitte den sich völlig verlaufen habenden Aussenverteidiger S. Frei bediente. Der Schreiner – Ihr Macher! Die Freude war gross, wurde jedoch abrupt gedämpft, als Flury sich an den hinteren Oberschenkel fasste und mit der Geste der sich rundum drehenden beiden Zeigefinger ein klares Zeichen Richtung Bank gab. Es handelte sich zwar noch nicht um eine Zerrung, doch bei jedem Antritt war ein Ziehen spürbar. Nichts desto trotz spielte Flury weiter, während dem sich Huser draussen warm machte. Man konnte meinen, dass der Gastgeber in letzter Zeit immer mit einem Mann mehr auf dem Platz ist, doch diese Überzählige war die Verletzungshexe, die nicht sehr erwünscht war. Nur der Fussball schreibt solche Geschichten, wie die folgende. Trotz der drohenden Zerrung luchste Flury dem Welschenrohrer Aussenknebel als Hinterster Mann die Kugel ab und zog Richtung Häfligers Tor als wäre er ein frisch geborenes Reh und verstecke aus spitzem Winkel die Kugel in die weite Ecke (13.). Wahnsinn, Jubel, Auswechslung – verdient.

Von da an pushte sich Welschenrohr und gab nicht auf. Die überhasteten und schlecht getretenen langen Bälle in die Spitze fanden im 1. Durchgang jedoch keine Überzeugung. Deitingen musste sich mit einigen, jedoch zu wenig gut getretenen Standards wehren und wurde dann gegen Schluss der 1. Halbzeit Herr des Spiels, als der Wille und die Laufbereitschaft des Gegners abnahm.

Welschenrohr konnte ihr Arbeitseinsatz zum Start des zweiten Umgangs jedoch wieder steigern und warf noch einmal alles in den Angriff. Deitingen war gerüstet für diese Attacken und kannte das Gegenrezept. Doch dann begann das Unheil aus Sicht der Einheimischen. Ganz nach der Aussage, dass Menschen irre sind, ist halt Irren auch menschlich. Mit der zweifachen Führung im Rücken wollte Deitingen das dritte Tor suchen, jedoch vor allem aber keines kassieren. Denn es war vorab klar, dass wenn die Thaler Blut lecken, wäre alles wieder offen. So ungern wie das hier geschrieben wird, so sehr war der Schiedsrichter bei den nächsten Aktionen, auch ohne durch ein Deitinger Käselochfernrohr zu schauen, sehr im Mittelpunkt. Das Deitinger Unheil startete in der 51. Minute, als eine Brust-Schulter Aktion mit körperangelegtem Arm Zubers zum Penaltypfiff führte. Die Verantwortung übernahm zum Erstaunen anschliessend der auf Abstösse und gelbe Karten spezialisierte Uebelhart, der die Kugel aber perfekt in Roberto Carlos Manier ins Filet hämmerte.

Ein Unheil kommt erfahrungsgemäss selten alleine und so war in der 57. Minute erneut Zuber der Leidtragende – vielleicht passte dem Schiri Zubers perfekt gestylte Frisur einfach nicht - als er ein Steilpass vor dem FCW’ler A. Fankhauser erlaufen konnte und dann von jenem von hinten umgestossen wurde. Grundsätzlich brachen alle Spieler auf dem Feld ihren Lauf ab, bis sie überrascht bemerkten, dass der Pfiff ausblieb. So zog A. Fankhauser von der Strafraumecke alleine auf Kissling zu und passte in die Mitte. Dort ereignete sich das nächste Kuriosum: Bieri war vor allen anderen am Ball, dies jedoch wenige Zentimeter vor der Torlinie. Er brachte den Ball unglücklicherweise nicht weg und der anstürmende Fink konnte durch Bieri’s Beine durch die Kugel zum Ausgleich in die Maschen hauen (57.).

Harte Phase für die Chäswiler, doch man erholte sich und die Welschenrohrer kamen nicht mehr ganz so stürmisch angerannt, als würde es unlimitiert gratis Wurst und Bier geben. Wie Freud und Leid Hand in Hand durchs Leben gehen können, konnte man in diesem Spiel schon einige Male begutachten. Noch schlimmer kam es jedoch für die Deitinger, als der noch junge Schiri in der dritten darauffolgenden sehr unstrittigen Szene wieder gegen die Wasserämter entschied. Bei einem Konter konnte Hadzic den Torgefährlichen Stalder perfekt in die Schnittstelle bedienen, welcher die Kugel eiskalt versenkte (72.) – Jubel! Pfiff mit in die Luft gestreckter Hand! Neeein! Er mag wohl Käse nicht. Er ist sehr wahrscheinlich laktoseintolerant. Offside ja oder nein lässt sich logisch nicht 100% definieren, doch die Deitinger Fairness-Gene schlugen hohe Wellen und mussten nach dem Spiel mit Hopfen beruhigt werden.

Nun war das Spiel ausgeglichen. Welschenrohr war taktisch bedingt zwar mehr am Ball, doch Deitingen hatte die im Ansatz gefährlicheren Konter, die an jenem Tag jedoch viel zu wenig konsequent zu Ende gespielt wurden. So war alles offen, bis T. Fankhauser seine grosse Szene hatte: Einwechslung, Spurt, Tor, Jubel, kaputtes Eckfähnchen, gelbe Karte (80.). Man konnte es aus Deitinger Sicht fast nicht glauben. Der Kopf blieb jedoch erhoben und man hatte noch mehr als 10 Minuten vor sich. Und wie dieses Spiel seinen Verlauf hatte, wurden in der 90. Minute alle Gefühle noch einmal völlig auf den Kopf gestellt. Nach einem schlecht abgewehrten Corner war der Torschütze des 1:0 auf 25 Meter zur Stelle, fasste sich ein Herz und drosch das Runde in das lange Filet. S. Frei erlöste die Deitinger mit diesem wundervollen Tor. Er nannte sich anschliessend bereits CR7. „Blagöri“ wurde er dann genannt und man verwies ihn auf den Fakt, dass man Leggins, die von Frauen getragen werden, ja auch nicht Taubstummen-Hosen nennt, nur weil man von den Lippen lesen kann.

So kurios und atemraubend wie dieses Spiel auch war, so endete es. Deitingen hatte in der aller letzten Sekunde, als Welschenrohr bei einem Einwurf naiv alles nach vorne warf, durch Stalder die letzte riesen Chance. Doch aus zu spitzem Winkel konnte der Linksfuss nur das Aussennetz treffen. Schluss, aus, vorbei, Punkteteilung.

Fazit: Deitingen trauert auf jeden Fall der 2:0 Führung nach, man nimmt den späten Ausgleich jedoch mit Handkuss. Weiterhin ist alles offen an der Spitze der Gruppe und man konnte sogar aufgrund der Niederlage von Klus-Balsthal Terrain auf einen Nicht-Aufstiegsspielplatz gut machen. Überheblich darf man auf keinen Fall sein, da noch viele harte und umkämpfte Spiele auf dem Plan stehen.

FC Deitingen 3:3 (2:0) FC Welschenrohr

Grabmatt Deitingen, 180 Zuschauer

FCD: Kissling; S. Frei, Zuber, Bieri, Barrer; Roth, Hadzic; Flury (14. Huser), Murer (86. Günther), Arslan; Stalder

Tore: 1:0 S. Frei (7. Minute), 2:0 Flury (13.), 2:1 Uebelhart (51., Penalty), 2:2 Fink (57.), 2:3 Fankhauser (80.), 3:3 S. Frei (90.)

3. Liga, Gruppe 1

3. Liga, Gruppe 2