«Das verdanke ich dem FC Solothurn»

Im Sommer schaffte der Biberister Rion Xhemaili den Sprung ins Kader der Schweizer U16-Nati. Doch der Weg ist noch weit für den Nachwuchsspieler des FC Solothurn, sagt Fussballexperte Rony Vetter.

Vor einem Monat konnte sich der Solothurner U16-Nachwuchs im Achtelfinal des Schweizer Cups im Penaltyschiessen sensationell gegen den grossen FC Basel durchsetzen. Der Solothurner Torschütze beim 1:1 war damals Rion Xhemaili. Im Viertelfinal hiess die Endstation am Sonntag FC Zürich. Ein individueller Fehler bedeutete in der 71. Minute das 0:1. Am Ende verlor der FCS-Nachwuchs 0:4.

Trotz deutlicher Überlegenheit der Zürcher hätte es aber auch diesmal wieder anders herauskommen können. Als hängende Spitze kam Xhemaili erneut zu zwei grossen Chancen und er hätte den FC Solothurn in Führung schiessen können. Kaan Kahraman machte seiner Nummer 10 trotz der vergebenen Torchancen keine Vorwürfe. Im Gegenteil: «Er hat seine defensiven Aufgaben sehr gut gelöst und den Gegner früh gestört», lobte der Solothurner U16-Trainer. «Auch dank ihm hiess es lange 0:0. Und dass Rion zu Chancen kommt, obwohl wir den Ball viel weniger am Fuss hatten, das ist wichtig. Diese auch auszunützen, das werden wir trainieren.»

Nur noch die Effizienz ist das Problem

Einmal scheiterte Rion Xhemaili am FCZ-Torhüter, das zweite Mal an sich selbst. «Bei der ersten Chance hätte ich den Ball besser abgelegt. Bei der zweiten hätte ich ohne zu zögern schiessen sollen, dann wäre der rein», analysierte er nach dem Match seine eigene Leistung selbstkritisch, ja leicht zerknirscht. «Das nächste Mal haue ich ihn ins Eck.» Aus Fehlern muss man lernen, und der erste Schritt dazu ist, die Fehler zu erkennen.

Als Rion Xhemaili in der 81. Minute ausgewechselt wurde, war sein Dress so richtig dreckig. An Einsatz und Laufbereitschaft fehlte es also nicht. «Rion hat sehr gute Anlagen und seine Ballbehandlung ist ausgezeichnet. Auch die Einstellung stimmt und die Leidenschaft für den Fussball ist da. Sein Problem ist nur noch die Effizienz», analysierte Rony Vetter, der seit vielen Jahren als Trainer und Technischer Leiter für die Solothurner Nachwuchsabteilung die Verbindung zum Partnerverein FC Basel darstellt.
Mentale Stärke ist entscheidend

Die Frage, «was mache ich, wenn?», darf ein Fussballer laut Vetter nicht erst dann beantworten, wenn die Torchance da ist. «Diese Antwort muss er bereits für alle möglichen Situationen bereithaben. Die Entscheidung muss automatisch und ohne Zögern kommen.» Rions Chancen, einmal Profi zu werden, seien intakt, aber der Weg dorthin noch weit, meint Vetter: «Er darf davon träumen, muss aber realistisch bleiben. Von den dreissig Spielern, die zum Kader der U16-Nationalmannschaft gehören, haben alle Talent, aber am Ende schaffen es vielleicht zehn davon in die Super League. Entscheidend wird die mentale Stärke sein.»

Körperlich gehört Rion Xhemaili mit seinen derzeit 163 Zentimetern und 46 Kilos noch nicht zu den Stärksten. Das sei kein Grund, sich sorgen zu machen, meint sein Trainer Kahraman. «Wir geben ihm Zeit, sich zum Mann zu entwickeln. Die Muskeln sind noch lange kein Kriterium, in diesem Alter ist die körperliche Entwicklung rasant.»

Bodenständig geblieben

«Dass ich den Sprung ins Schweizer Kader geschafft habe, verdanke ich nicht meinem Talent, sondern dem FC Solothurn. Die Nachwuchsförderung hier gehört zu den besten der Schweiz.» So realistisch schätzt sich der 15-Jährige ein. Und er will nicht als einziger aus seiner Familie die Fussballwelt erobern: Seit diesem Sommer spielt auch seine Zwillingsschwester Riola Xhemaili in der Schweizer U16-Nati. Und sie ist sogar schon zu zwei Einsätzen in offiziellen Länderspielen gekommen.

«Ich hoffe, dass Riola Xhemaili bald bei uns in Bern spielen wird», sagt der Gerlafinger Rolf Kirchhofer, Koordinator des Frauenfussballs der BSC Young Boys, über Rions Schwester, die beim FC Basel derzeit Captain beim (männlichen) U15-Nachwuchs ist. Ihr Traum, dereinst Fussball-Profi zu werden, ist also genauso intakt wie bei ihrem Bruder. Aber obwohl die Zwillinge von einer grossen Fussballkarriere träumen, verlieren sie die Bodenhaftung nicht: Beide werden nächstes Jahr eine Lehre beginnen.