Der HSV wäre bereit für Grosstaten

Auf dem Spiegelberg wäre alles bereit für ein grandioses Startfeuerwerk der Fussballer in die Frühlingsrunde. Die Arbeiten am Klubhaus des Haltener Sportvereins HSV wurden rechtzeitig fertig, das modern möblierte Restaurant sieht toll aus, die neue Küche erfüllt alle Ansprüche der Gastronomie und im feuerroten Anbau gibts eine neue WC-Anlage. Was könnte jetzt noch schief laufen?

Alles. Trotz grossem Einsatz der Handwerker, viel Fronarbeit der Mitglieder und einer riesigen Vorfreude musste das für das vergangene Wochenende geplante Einweihungsfest wegen der Coronakrise abgesagt werden. „Wir verstehen die angeordneten Massnahmen und es ist allen klar, warum wir das Fest, alle Trainings und den ganzen Spielbetrieb absagen mussten“, sagt dazu HSV-Präsident  Fabian Wüthrich. „Vor allem für unsere neue Wirtin Susanne Cannavò tut mir das extrem Leid.“ Weil nun das Restaurant für lange Zeit geschlossen bleiben muss, werde man ihr bei der Pacht finanziell entgegenkommen.

Mit Solidarität durch die Krise

„Ich fühle die Solidarität des Vereins. Sie sind alle sehr nett zu mir. Aber ich bin trotzdem traurig, weil ich nicht beginnen kann“, beschreibt die neue Wirtin ihre Gefühlslage. „Es sah alles so vielversprechend aus. Ich hatte bereits viele Anlässe wie Spaghettiessen, Generalversammlungen, einen 50. Hochzeitstag. Alles musste ich absagen.“

Auch die neue Speisekarte sieht vielversprechend aus. Empanadas sind eine Spezialität der neuen Wirtin und bei der Weinkarte legte sie Wert auf eine gute Qualität. „Bei den Heimspielen muss es natürlich auch eine Bratwurst vom Grill geben, aber wir möchten mit einem vielseitigen Angebot nicht nur die Fussballer, sondern das ganze Dorf begeistern und zu einem Treffpunkt werden“, erklärt Vereinspräsident Fabian Wühtrich das Konzept. Susanne Cannavò will auch ein Mittagsmenü anbieten – sobald die Coronakrise überstanden ist. „In der Gastronomie braucht man Leidenschaft und diese habe ich“, sagt die neue Wirtin über sich. Deshalb wolle sie durchhalten und nicht aufgeben.

Viel Fronarbeit und Goodwill

Als Architekt übernahm das frühere HSV-Vorstandsmitglied Michael Summermatter die Planung und die Bauführung bei der Renovation des Restaurants, dem Ausbau der Küche und beim neuen Anbau mit der WC-Anlage. „Es war recht zeitintensiv, da jeweils sehr viel Fronarbeit der Mitglieder am Abend geleistet wurde“, blickt er auf  die vergangenen Monate zurück. „Wir haben Unternehmen aus der Region berücksichtigt, die bereits eine Verbindung zum HSV hatten. Alle sind uns mit dem Preis entgegengekommen und wir wurden wirklich grossartig unterstützt.“ Zu den Gesamtkosten meint Summermatter: „Das Budget haben wir eingehalten.“

König Fussball muss warten

Der Haltener Sportverein will Fussball spielen und darf nicht. Die erste Mannschaft belegt in der 4. Liga einen Spitzenplatz und eine Rückkehr in die 3. Liga scheint in Griffweite. Trainer Badir Deveci hat bereits für eine weitere Saison zugesagt. Die zweite Mannschaft ist Leader in der 5. Liga und will ebenfalls aufsteigen. Die Juniorenbewegung floriert. Doch jetzt darf man nicht einmal mehr zusammen trainieren. „Ich habe das Gefühl, dass die Saison definitiv abgebrochen werden muss, weil die Zeit nicht mehr für alle Spiele reichen wird“, wagt Fabian Wüthrich eine Prognose. Wäre es für den HSV-Präsidenten eine Option, die laufende Meisterschaft bis zur Winterpause auszudehnen und dann ab nächstem Frühling Jahresmeisterschaft mit nur kurzer Sommerpause durchzuführen? „Falls der Schweizer Fussballverband die Meisterschaften aller Kategorien einheitlich so ansetzen könnte, wäre das durchaus eine Idee. So könnten mehr Spiele an schönen Sommerabenden ausgetragen werden.“