Nach dem Tod eines Freundes findet das alte Team wieder zusammen

Geschrieben von Hans Peter Schläfli

HPS 1461 ShiftNDer traditionsreiche Sportclub Derendingen wird in der kommenden Saison endlich wieder mit einem Männerteam an der Meisterschaft teilnehmen. Bei der Beerdigung eines Freundes fand eine Gruppe früherer Junioren zusammen. Sie beschlossen, dass sie sich wieder für den SCD einsetzen wollen.

Die Geschichte des Sportclubs ist beeindruckend: 1944 stieg der SC Derendingen in die Nationalliga B auf und gehörte damit zu den grossen Teams im Schweizer Fussball. 1952 wurde auf der Heidenegg die altehrwürdige Tribüne eingeweiht und in den 1970er-Jahren kam es in der 1. Liga regelmässig zu Derbys auf Augenhöhe mit dem FC Solothurn.

Doch der letzte grosse Erfolg liegt nun auch schon einige Zeit zurück: 2005 gewann der SCD den Solothurner Cup – im gleichen Jahr als das Frauenteam gegründet wurde. Während die Frauen seither einen Erfolg nach dem anderen feiern und 2016 sogar für eine Saison in die Nationalliga A aufstiegen, brachten die Männer keinen Fuss mehr vor den anderen. Im Vorstand gab es immer wieder Querelen und der Sportclub stand vorübergehend sogar vor dem finanziellen Ruin. An Talenten hätte es beim SC Derendingen nicht gemangelt. Aber in der über viele Jahre andauernden Krise verliessen immer mehr Mitglieder den Verein, bis es schliesslich nicht mehr genug Männer hatte und auch die letzte Mannschaft zurückgezogen werden musste.

In der Trauer zusammengestanden

„Der tödliche Unfall eines Freundes und früheren Mitspielers hat uns alle im vergangenen Oktober tief erschüttert“, erklärt David Steiner. „An der Beerdigung trafen wir uns wieder und beschlossen, dass wir zum SC Derendingen zurückkehren und wieder eine Mannschaft gründen wollen.“ Die Idee fand Anklang: Das Trainerteam mit Enes Yesildag, David Steiner und Salvatore Giuliano konnte mittlerweile bereits ein Kader mit rund 20 ehemaligen Spielern zusammenstellen und einem Neubeginn steht nichts mehr im Weg.

„Heute ist der Verein zum Glück wieder gesund“, sagt Urs Bachmann, der frühere Trainer der Frauen und jetzige Koordinator im Hintergrund. Es sei an der Zeit, das der SCD auch bei den Männern wieder eine Mannschaft stellen kann. „Diese Gruppe hat die Juniorenzeit beim SCD verbracht und alle sind mit Leidenschaft dabei. Jetzt passt alles und ich bin zuversichtlich, dass der Neuaufbau gelingen wird“, meint Bachmann.

„Viele von uns haben früher zusammen in der 2. Liga gespielt und wir sind Freunde“, sagt Salvatore Giuliano, der an der Seitenlinie die Rolle des Cheftrainers übernehmen will. „Die Teambildung hat bereits begonnen und nach den Sommerferien erfolgt der Start in der 5. Liga. Wir setzen uns langfristige Ziele und wollen den eigenen Junioren eine Perspektive geben, so, wie es bei den Frauen bereits funktioniert. Dort schauen die Mädchen zu ihren Vorbildern auf und wollen auch in der Nationalliga B spielen. Solche Vorbilder wollen wir Männer auch für unsere Junioren sein.“

Nicht zuletzt am Koordinator wir es liegen, dass in Zukunft die Frauen und Männer beim SCD wieder am gleichen Strick ziehen werden. „Ich denke, dass die Männer ab und zu das Vorspiel vor dem NLB-Match der Frauen bestreiten werden und dass man sich bei gemeinsamen Anlässen gegenseitig kennenlernen soll“, sagt Urs Bachmann. „Das wird etwas Zeit brauchen, aber es gibt keinen Grund, warum es nicht klappen sollte.“

Unterstützung durch den Gemeindepräsidenten

Das Projekt ist im Dorf auf ein gutes Echo gestossen. „Beim Fussball lernen die Jungen, Regeln zu befolgen. Sie lernen zu gewinnen und zu verlieren und sich dabei fair zu verhalten“, beschreibt Gemeindepräsident Kuno Tschumi den gesellschaftspolitischen Wert des Sports. Deshalb stehe die Einwohnergemeinde hinter dem Projekt. „Der SCD kann sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Teamplayer hervorbringen, die später auch in der Gesellschaft wichtige Aufgaben übernehmen.“