Chiasso war eine Grenzerfahrung

Bellach zeigte im Schweizer Cup eine gute Leistung, die Profis aus dem Tessin waren aber übermächtig und die 0:7-Niederlage eine logische Folge.

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Leidenschaftlich, sportlich und ehrgeizig. So beschreibt sich der FC Bellach in seinem Internetauftritt. Mit dem Sieg im Solothurner Cup, dem zweiten in Serie, unterstrichen die Bellacher im vergangenen Frühling diese drei Adjektive und so durfte der Zweitligist am Samstag in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups den FC Chiasso empfangen.
Dass die Tessiner Profis, die in der Challenge League spielen, für Bellach eine Nummer zu gross sein werden, war eigentlich im Voraus klar.

Doch im Cup darf man immer auf eine Sensation hoffen. Chiasso legte los wie der Wirbelwind und gleich in den ersten Minuten gab es ein paar brenzlige Situationen. Den Bellachern gelang es in der Startphase kaum je, den Ball zu berühren. «Das hatten wir so erwartet», erklärte am Ende Trainer Fabian Kammer, «das sind Profis, bei denen geht es um ihre Karriere und viel Geld. Die unterschätzen keinen Gegner und sind nicht überheblich.»

Und gerade als es so aussah, als ob Bellach das Geschehen in den Griff bekommen könnte, legte Chiasso einen dieser raumgreifenden, unwiderstehlichen Angriffe auf den Rasen. Der überragende Andrea Padula bediente von links den aufrückenden Antoine Rey, der das 0:1 erzielte. Dieses Schema mit dem entscheidenden Assist von Padula sollte sich noch einige Male wiederholen.
Bellach spielte munter mit

Die Bellacher liessen sich davon aber nicht demoralisieren. Sie spielten munter mit. Aber dann schloss Chiasso in regelmässigen Abständen seine schönen Angriffe erfolgreich ab. So hiess es am Ende 0:7. Hätte der FC Bellach den Ball einfach nur destruktiv weggehauen, dann wäre die Niederlage vielleicht um ein, zwei Tore tiefer ausgefallen. Aber der Solothurner Cupsieger trat sehr fair auf, wollte ebenfalls konstruktiv Fussball spielen und Spass haben.

Dass die Niederlage im erträglichen Mass ausfiel, daran hatte Torhüter Oliver Allemann mit ein paar Glanzparaden einen grossen Anteil. Kurz vor Schluss hielt er sogar noch einen Penalty. «Ich bin trotz des 0:7 stolz auf meine Mannschaft», sagte er nach dem Schlusspfiff, «wir haben uns nie aufgegeben und sind bis zuletzt als eine Einheit aufgetreten. Und zum Unterschied zwischen den Profis aus Chiasso und den Bellachern meinte er: «Wir müssen am Montagmorgen ins Büro, sie wieder auf den Fussballplatz.»
Die Summe der Kleinigkeiten

«Die Höhe der Niederlage geht in Ordnung», analysierte Fabian Kammer den Cupmatch. «Wir wollten unbedingt ein Tor schiessen, aber das hat Chiasso ganz einfach nicht zugelassen.» Wo hat Bellachs neuer Trainer den grössten Unterschied zwischen den beiden Mannschaften erkannt? «Sie spielen grundsätzlich denselben Fussball wie wir, nur geht alles etwas schneller. Die Pässe werden präziser gespielt und die Technik ist ein wenig feiner. Es ist die Summe der Kleinigkeiten, die den grossen Unterschied ausmacht. Es war eine gute Erfahrung für uns alle.»

Die hohe Niederlage änderte auch nichts an der tollen Stimmung unter den Bellacher Fussballfans, die auf die Jagd nach Selfies mit einem Profi gingen. Am gefragtesten war Adonis Ajeti. «Ist dein Bruder auch hier?», wollte ein Bellacher Junior von ihm wissen. Adonis nahm es gelassen, dass sein Zwillingsbruder Albian derzeit deutlich mehr im Scheinwerferlicht steht als er. «Klar, der FC Chiasso ist nicht der FC Basel, aber ich bin glücklich, dass ich Fussball spielen kann», sagte Adonis Ajeti. Und so fand der schöne Sommerabend im Beizli auf der Brunnmatt mit einem familiären Fest einen runden Abschluss.

Bellach – Chiasso 0:7 (0:3)
Brunnmatt. - 700 Zuschauer. - SR Cibelli.

Tore: 21. Rey 0:1. 26. Milinceanu 0:2. 45. Josipovic 0:3. 59. Padula 0:4. 71. Adamczyk 0:5. 80. Milinceanu 0:6. 87. Alessandrini 0:7.

Bellach: Allemann; Brcina, (78. Palermo), Shkoreti, Mascolo (68. Bianco), Ammon; Xhema; Marthaler, Gloor, Kocher (83. Bielmann), Sülüngöz; Fragale.

Chiasso: Mossi; Alessandrini, Martignoni, Ajeti, Monighetti; Malinowski (46. Bahloul), Charlier, Rey (60. Adamczyk), Padula; Josipovic (53. Guidotti), Milinceanu.

Bemerkung: 89. Bellachs Goalie Oliver Allemann wehrt einen Penalty ab.

Verwarnungen: 48. Alessandrini, 66. Gloor, 78. Ammon, 89. Shkoreti (alle Foulspiel).